Ich hatte diesen Herbst einmal eine Anfrage einer jungen Frau. Sie plante, ihrer nicht mehr so fiten Mutter ein Smartphone mit Internetzugang zu schenken. Sie hoffte, mit einem solchen Gerät ihrer Mutter die Möglichkeit zu geben, unterwegs mehr Sicherheit und Erreichbarkeit zu erzielen und bei Bedarf wichtige Informationen abzurufen. Sie war allerdings erstaunt, dass die zu Beglückende kein Interesse zeigte, ohne konkrete Gründe zu nennen. Ich hatte der jungen Frau Folgendes geantwortet:
Das Problem
“Hauptgrund für die Zurückhaltung bis Ablehnung vieler Senioren bezüglich Internet ist ihre Angst vor der neuen Technik. Sie haben häufig das Vorurteil, diese Geräte und die Programme nicht bedienen zu können, dabei etwas falsch und dadurch kaputt zu machen. Vorgeschoben wird dann, kein Interesse zu haben oder keinen Nutzen zu sehen (ohne es je ausprobiert zu haben!). Es fehlen ihnen also Know-how und erste Erfahrung. Dazu sollte man ihnen Möglichkeiten bieten, ohne dass sie sich blamieren müssen.
Nun zu Ihrer Frage bezüglich Ihrer Mutter. Aufgrund Ihrer Schilderung haben Sie da ein doppeltes Problem, weil Sie gleich zwei Fliegen mit einem Schlag treffen möchten: (a) hat Ihre Mutter offenbar bisher kein Handy, und (b) keine PC- oder Internet-Erfahrung. Sie möchten ihr aber ein Smartphone schenken, mit dem sie am liebsten gleich mobil surfen sollte. Ich glaube, dass Sie sie damit überfordern. Denn wer nicht schon zuhause das Web nutzt (also dessen Nutzen nicht kennt), der hat gegenüber dem mobilen Surfen grösste Skepsis.
Meine Empfehlung: schrittweises Vorgehen!
Schritt 1: Handy schenken und Vertrauen in das Gerät entwickeln lassen. Es kann durchaus ein Smartphone sein, aber vorläufig noch ohne Internetnutzung; die Vorteile auch für Senioren sind eklatant (Touchscreen, grosse Zahlen, einfachste Bedienung, schöne Bilder, praktische Apps wie Wetter, Spiele, SBB-Fahrplan etc.). Smartphones boomen auch bei Senioren!
Schritt 2: Notebook oder iPad beschaffen und erste Schritte mit Internet und E-Mail machen lassen (live zeigen und evtl. in kleinen Kurs schicken, Einsteigerbuch von Günter Born kaufen). Empfehlung: Internet-Ratgeber von Swisscom als Einsteigehilfe. Geduld für eigene Praxis und Erfahrung! Immer wieder praktische Unterstützung. “Dumme” Fragen zulassen ;-)
Schritt 3: Internetzugang fürs Smartphone erst, wenn die Mutter “reif” dafür ist. Zeigen Sie ihr mit Ihrem Smartphone, wie/wo ihr Apps, Internet und E-Mails auch unterwegs dienen könnten. L’appetit vient en mangeant!”
Vielleicht kennen auch Sie jemanden, dem ein Smartphone nützliche Dienste erweisen würde, der aber gegenüber “so modernem technischen Zeug” und dem Internet (und erst noch unterwegs!) offene oder versteckte Hemmungen und Widerstände hat. Solche Personen verdienen ein behutsames Vorgehen. Also auch Verständnis und Geduld.
Herzliche Grüsse
Franz Haller