Rundum-Grün: Schweizer Telco-Anbieter im Vergleich

Geschrieben am 17. Januar 2012
Schlagworte: , , ,  
Kommentare: lesen (3) | Kommentieren

Wie halten es die Schweizer Telco-Anbieter mit der Verantwortung bezüglich ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit? Ein Vergleich ihrer Statements im Internet.

Zur Nachhaltigkeit hatte ich mich im Blog am 7. August 2011 grundsätzlich geäussert, am 2. Dezember 2011 stellte ich den neuen Swisscom Blog „Hallo Zukunft“ vor. Dies als Teile in einer losen Folge von Blogartikeln („Rundum-Grün“) zu diesem wichtigen Themenkreis. Inzwischen habe ich die Webseiten von Orange, Sunrise, Swisscom und UPC Cablecom auf allfällige entsprechende Statements untersucht. Fazit: das Resultat ist, mit Ausnahme von Swisscom, ziemlich enttäuschend.

Statements zur Nachhaltigkeit im Web

Meine Recherche ist, ehrlich gesagt, nicht ganz umfassend. Denn ich habe nur die Anbieter-Webseiten untersucht, nicht aber nach Äusserungen in anderen Medien wie Broschüren oder Geschäftsberichten gesucht. Man darf aber doch erwarten, dass solche Unternehmensinformationen, wenn sie als wichtig betrachtet werden, auch im Web ihren Platz haben sollten. Das ist auf jeden Fall meine persönliche Interpretation: Wenn Telco-Firmen im Internet wenig oder gar nicht zur heute sicher aktuellen und gesellschaftlich relevanten Thematik der Nachhaltigkeit Stellung nehmen, scheint ihnen dies unternehmerisch nicht besonders wichtig zu sein. Darüber soll aber jeder Leser seine eigenen Schlüsse ziehen. Ich liefere hier die Informationen.

Cablecom, Orange, Sunrise: wenig bis gar nichts

Auf der sehr produktbezogenen, verkaufsorientierten Webseite von UPC Cablecom kommt nur die Seite „Über UPC Cablecom“  infrage, wo allenfalls eine Aussage zur Nachhaltigkeit des Unternehmens zu finden wäre. Einzig einen Hinweis auf die Ausbildungspolitik für Lernende kann ich dem Thema (soziale) Nachhaltigkeit zurechnen. Über alles andere schweigt sich der „grösste Schweizer Kabelnetzbetreiber“ und „modernes Multimediaunternehmen“ aus. Ist das nicht etwas dürftig und eher enttäuschend?

Deutlich besser steht meines Erachtens diesbezüglich der Mobilfunkanbieter Orange da. Auf dessen Titelseite „Über Orange“  wird das Thema Verantwortung (zum Beispiel in „Vision & Mission“ oder „Werte“) zwar noch nicht behandelt. Aber dann folgt ein ganzes Kapitel „Corporate Social Responsibility“, wo Orange klar Stellung bezieht zu ihrer „Verpflichtung zur nachhaltigen Entwicklung“, zu „ethischen Grundsätzen“, zur Umwelt und zu den Menschenrechten. Im Kapitel „Umwelt“ setzt sich Orange ausführlich für eine verantwortungsvolle Nutzung der Mobiltelefonie ein und bietet  die Möglichkeit zum Handy-Recycling „Eco Orange“ an. Schliesslich gibt es eine herunterladbare Broschüre „Unterstützung rund ums Mobiltelefon für Eltern, Kinder und Betreuer“, worin eine gewisse Mitverantwortung von Orange gegenüber dem Gesamtangebot Mobiltelefonie zum Ausdruck kommt. Allerdings muss man auch festhalten, dass bei diesem Engagement vor allem der bisherige Owner France Télécom der Treiber war; die Zukunft wird zeigen, ob die neuen Investoren einen ähnlich starken Einfluss ausüben werden.

Auf der Website von Sunrise dürfte man wohl im Kapitel „Über Sunrise” etwas Substanzielles zur unternehmerischen Verantwortung erwarten. Da ist aber nur gähnende Leere, beziehungsweise in einer Unternehmenspräsentation Platz für kommerzielle Selbstdarstellung als „grösster privater Telekommunikationsanbieter in der Schweiz“. Einzig eine kleine Broschüre zum Thema Jugendschutz in Telefonie und Internet kann ich zur Thematik „Verantwortung“ zählen. Neben dem propagierten „besten Preis-Leistungs-Verhältnis“ scheint dem Sunrise Management kein übergeordnetes Anliegen besonders wichtig zu sein.

Swisscom nimmt ihre Verantwortung sehr breit wahr

Im Vergleich mit seinen oben behandelten Hauptkonkurrenten spielt Swisscom bezüglich Äusserungen zur Thematik „Verantwortung“ offensichtlich in einer ganz andern Liga. Denn wenn man auf ihrer Website im Register „Über Swisscom“ beim Kapitel „Verantwortung“  einsteigt, erschlägt es einem fast ob der schieren Fülle von Information. Da verwundert auch das einleitende Statement nicht „Wir gehören zu den fünf nachhaltigsten Telekom-Unternehmen Europas“ (Studie). Das entsprechende propagierte Engagement von Swisscom ist so breit gefächert, dass ich in diesem Blogartikel noch nicht auf einzelne Gebiete näher eingehen kann. Ich werde das aber in weiteren Folgen dieser Serie Rundum-Grün sicher tun. Am besten stöbern Sie einfach mal das ganze Kapitel „Verantwortung“ etwas durch. Hier zitiere ich fürs Erste nur einmal die einleitenden Sätze unter „Unser Engagement“: „Als Schweizer Unternehmen tragen wir Verantwortung. Unser Engagement für Umwelt und Gesellschaft ist Teil unserer Unternehmensstrategie. 1998 haben wir als erstes Telekom-Unternehmen der Welt ein zertifiziertes Umweltmanagement eingeführt. Wir wollen zu den nachhaltigsten Unternehmen der Schweiz gehören und arbeiten konstant daran, uns zu verbessern. Nachhaltig sein bedeutet, vorauszuschauen. Deshalb setzen wir uns verbindliche Ziele und informieren transparent darüber, was wir erreicht haben. (…) Swisscom übernimmt Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft. So verschafft Swisscom allen Gesellschaftsgruppen Zugang zu den digitalen Medien, unterstützt Menschen in Not und fördert den Jugendmedienschutz und die Medienkompetenz. Zudem verbessert Swisscom ihre Energieeffizienz und reduziert ihre CO2-Emissionen.“

Auf später in dieser Serie Rundum-Grün!
Herzlichst, Franz Haller

  1. Kommentiert von Corinna Hofer am 17. Januar 2012, 10:01

    Lieber Franz
    Bei der Lektüre deines neuen Beitrages kommt mir gerade das Buch mit grünem Umschlag in den Sinn, welches ich zur Zeit lese. Es heisst “the age of less- die neue Wohlstandsformel der westlichen Welt” und wurde geschrieben von David Bosshart, dem Leiter des Gottlieb Duttweiler Instituts. Ein sehr lesenswertes Buch, welches zum Umdenken anregt. Übrigens: das Buch habe ich als Geschenk von meinem (natürlich grünen) Gärtner erhalten.
    Grüne Grüsse Corinna

  2. Kommentiert von Alo Fischer am 17. Januar 2012, 10:33

    Letzthin habe ich einen Artikel in der Zeitschrift The Economist” gelesen, in welchem über das Thema “corporate social responsibility” ausführlich geschrieben wurde. Dort wurde darauf hingewiesen, dass dieser neue (oder relativ neue) Trend in den meisten Fällen vor allem ein Lippenbekenntnis ist und der Verkaufsförderung dienen soll. Dies hat mich in meiner Skepsis bestätigt. Ich habe den Artikel nicht aufbewahrt, deshalb kann ich nicht daraus zitieren. Ich gehe aber immer noch davon aus, dass diese Frage der Nachhaltigkeit nur dann das Interesse der Unternehmen weckt, wenn diese wirtschaftlich erfolgreich sind und sich mit dieser Etikette weitere Vorteile versprechen. Mit grün allein lässt sich kein Unternehmen erfolgreich führen. Wenn ich jetzt auf den Telco-Bereich zu sprechen komme, wähle ich selbst auch nicht danach aus, wie grün das Unternehmen ist. Wenn mir die Dienstleistung nicht genügt, ist mir die grüne Etikette egal.
    Ich habe mit einigen Telco-Firmen auch meine Erfahrungen gemacht und bin jetzt für alle Dienste bei swisscom gelandet. Schlechte Erfahrung habe ich insbesondere bei cablecom gemacht. Bei den Auseinandersetzungen hat die grüne Seite nie eine Rolle gespielt. Ich glaube, dass wichtig ist, dass wir einmal einen Anbieter finden, der uns genügend gut bedient. Erst dann interessieren wir uns für die “grüne” Seite.
    Beste Grüsse Alo Fischer

  3. Kommentiert von Franz Haller am 23. Januar 2012, 10:32

    Lieber Alo Fischer
    Du beschreibst hier ein absolut pragmatisches und realistisches Kaufverhalten, das wohl die Mehrheit der Konsumenten heute praktiziert (bewusst oder unbewusst), mich eingeschlossen. Nachhaltigkeit (nicht nur “grün”, sondern ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich) ist für viele Leute und Unternehmen (vorerst noch) unausgesprochen ein Luxusthema, das man sich allenfalls leistet, so lange es uns und den Firmen noch einigermassen gut geht. Also ein Schönwetterprogramm. Mal schauen, wie es sich entwickelt, wenn bald mal schwierigere Zeiten durchbrechen (angekündigt sind sie ja schon). Wir alle sind einfach (vielleicht auch genetisch) auf kürzere Horizonte konditioniert (Frage des individuellen “Überlebens”). Graue Wolken oder gar Sturm am weiten Horizont tut einfach nicht weh und macht nicht Angst. Intellektuell betrachtet ist dieses Kurzfristdenken natürlich gefährlich. Das wissen zwar viele, aber sie haben (noch) keinen Handlungszwang.
    Angenommen, ein Unternehmen spielt da bewusst und hartnäckig langfristig eine Vorreiterrolle: ganz langsam und versteckt fliesst dieses Verhalten auch bei Konsumenten ins Unterbewusstsein oder gar ins Bewusstsein. Und mit der Zeit beeinflusst das vielleicht beim einen oder anderen auch dessen Konsumverhalten (siehe Biowelle). Zu wünschen wäre es eigentlich, unseren Nachfolgegenerationen zuliebe…
    Herzliche Grüsse, Franz Haller

Einen Kommentar hinterlassen