Digitale Kompetenzen als gesellschaftliche Aufgabe

Geschrieben am 29. Juni 2010
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Beschreibung der Schlüsselaktion aus der Digitalen Agenda der EU zur Förderung der digitalen Kompetenz.

„Europa leidet zunehmend an einem Fachkräftemangel im IKT-Bereich und an Defiziten bei den digitalen Kompetenzen. Diese Mängel führen dazu, dass zahlreiche Bürger aus der digitalen Gesellschaft und Wirtschaft ausgeschlossen werden und dass die grosse Multiplikatorwirkung, die mit der IKT-Verbreitung einhergeht, nicht als Produktivitätssteigerung zum Tragen kommt. Dieses Problem erfordert eine koordinierte Antwort, in deren Mittelpunkt die Mitgliedstaaten und andere Akteure stehen müssen.“

So stehts in einer umfangreichen Mitteilung der EU-Kommission mit dem Titel „Eine Digitale Agenda für Europa“, die am 19. Mai 2010 den Medien vorgestellt wurde. Ich hatte am 2. Juni 2010 in meinem Blog darüber berichtet. Ich hatte die sieben Problemfelder und die dazu ausgearbeiteten Aktionsbereiche kurz zusammengefasst. Auch für uns Schweizer und Bürger Europas sind sicher alle diese Stossrichtungen absolut relevant, insbesondere ein harmonisierter Online-Binnenmarkt in Europa, die Steigerung der Sicherheit und Vertrauensbildung bezüglich digitaler Technik oder die volle Verbreitung schneller Internetanschlüsse. Das obige Zitat betrifft die Schlüsselaktion „Digitale Fähigkeiten und barrierefreie Online-Dienste für alle Europäer“. Hier können auch wir unsere Beiträge leisten. „Wir“ heisst für mich: Sie als Internetnutzer und -akteur, die Anbieter von digitalen Netzen (z.B. Swisscom), Produkten und Online-Diensten, alle Supporter und Ausbildner für Internet-Anwender und natürlich auch ich als einer der Blogger zu diesem Thema.


EU-Schlüsselaktion zur digitalen Kompetenz

Was steht nun im genannten EU-Kommissionsbericht „Digitale Agenda“ zur Schlüsselaktion „Verbesserung der digitalen Kompetenzen, Qualifikationen und Integration“ (Kapitel 2.6)? Zunächst wird festgestellt, dass rund 30% der Europäer noch nie im Internet waren, noch deutlich grösser sei dieser Anteil bei spezielleren Personengruppen wie zum Beispiel bei Leuten mit Alter über 65. Genauere Auskunft darüber hat ja inzwischen eine Schweizer Studie „Internet-Nutzung im Alter“ vom Gerontologie-Zentrum der Uni Zürich gegeben, worüber ich im Blog am 16. April und am 6. Mai 2010 berichtete. Der EU-Bericht meint dazu: „In vielen Fällen ist der Grund für die geringe Nutzung das Fehlen von Fähigkeiten wie digitalen und Medienkompetenzen, nicht nur im Hinblick auf das Berufsleben, sondern auch in Bezug auf Lernen, Kreativität und Teilhabe, die eine selbstbewusste und kritische Nutzung digitaler Medien ermöglichen.“ Und schliesslich: „Die digitale Kompetenz ist damit eine der acht Schlüsselkompetenzen (gemeint ist: für lebenslanges Lernen) von grundlegender Bedeutung für den Einzelnen in einer wissensbestimmten Gesellschaft. Ganz wesentlich ist auch, dass alle über die Online-Sicherheit Bescheid wissen.“

Mit digitaler Kompetenz sind sowohl die Beherrschung der wichtigsten elektronischen IKT-Geräte (auch der kommenden technischen Generationen) und Anwendungen als auch die breiten Kenntnisse der Möglichkeiten und Risiken aller Medien (von der Zeitung übers Fernsehen bis zum Internet und den neueren digitalen Medien wie Foren, Blogs, Facebook etc.) und dem verantwortungsbewussten und kritischen Umgang mit ihnen (Medienkompetenz) gemeint. Konsequent und systematisch sollen diese Kompetenzen bei verschiedensten Personengruppen gefördert werden: Natürlich in den Schulen, in der Weiterbildung und Umschulung, aber auch in der Erwachsenenbildung für jegliches Alter und jedes Bildungsniveau. Es sollen die nötigen angepassten Informationen und Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt und allen zugänglich gemacht werden, für Behinderte aller Art in der nötigen Barrierefreiheit.

Was heisst das für uns Internetnutzer?

Die von der EU-Kommission identifizierten Massnahmen zur Umsetzung der Digitalen Agenda richten sich naturgemäss primär an Regierungen, offizielle Institutionen, IKT-Unternehmen und andere relevante Akteure. Ich bin aber überzeugt, dass auch jede(r) Einzelne überall (nicht nur in der EU) zur Förderung der digitalen Kompetenz etwas sowohl lernen wie auch beitragen kann. Damit sind auch alle heutigen Internet-Nutzer aufgerufen. Helft mit, bei den Noch-nicht-Nutzern die Motivation zum Einstieg in dieses unverzichtbare digitale Medium zu „kitzeln“ und zu unterstützen. Natürlich ist auch hier Motivation gleich Selbstmotivation: Jede Person muss für sich selber wissen, was für sie gut ist. Aber gerade bei Leuten mit „Internet-Ladehemmung“ geht es oft darum, meist unberechtigte Hemmungen oder Ängste abzubauen, „technisches“ Selbstvertrauen zu fördern und mögliche Nutzenstiftungen, die man selber positiv erfahren hat, plastisch aufzuzeigen. Begeisterung fürs Internet mit seinen breiten Möglichkeiten ist ansteckend! Wenn wir möchten, dass auch andere vom Computer und vom Internet profitieren können, tragen wir eine gewisse Mitverantwortung. Denn in wenigen Jahren gehören die digitalen Medien zum Alltag der ganzen Bevölkerung wie das Fernsehen oder das Handy. Und letzteres hat nun mal praktisch jede(r) in der Tasche, schlicht weil es nützlich und hilfreich ist.

Also: viel Spass und Engagement bei der Ansteckung zur Motivation zugunsten des Internets in Ihrer persönlichen Umgebung!

Beste Grüsse
Franz Haller

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